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Was ist Heimat?


23. März 2020

Die Evangelische Akademie sucht Antworten – auch Ihre

In Zeiten des Corona-Virus` scheint alles still zu stehen und bedroht zu sein. Da stellt sich auch diese Frage noch einmal neu und anders: Was ist Heimat? Die Evangelische Akademie sucht Antworten darauf bei einer Lesung unter dem Titel „Heimat süß-sauer“ beim Wilsdruffer Nachtgeflüster im September – die Journalistin und Fotografin Steffi Robak, die Buchhändlerin Ines Siegemund, die Lyrikerin Gundula Sell, die Schriftstellerin Sylvia Eggert und Kerstin Schimmel, Studienleiterin an der Evangelischen Akademie Meißen, beschreiben hier ihre ganz persönlichen Blicke auf Heimat.

 

Was bedeutet für Sie Heimat?

Ines Siegemund: Der unverkennbare Duft nach Büchern beim Aufschließen des Ladens, das fröhliche guten Morgen der ersten Kunden und das Spiel der Glasglocken aus dem Rathausturm.

Steffi Robak: Heimat ist dort, wo ich mit geschlossen Augen am Klang der Kirchenglocken erkenne, dass ich daheim bin.

Gundula Sell: Ziegelrot. Weidengrün. Blasshimmelblau. Der fließende Wasserspiegel für alle Farben. Die Stimmen, zu denen meine Stimme gehört. Hier drinnen die Bibliothek. Die Sehnsucht nach Heimat da draußen.

Sylvia Eggert: Die warme Stimme meines Liebsten und das ausgelassene Lachen meiner Kinder hören, das weiche Haar meiner Enkelin an meiner Wange spüren, frisch ausgelassenes Apfel-Zwiebel-Schmalz nach dem alten Rezept meiner Mutter riechen und auf frischem Brot genießen … .

Kerstin Schimmel: Eine steife Brise und der Geruch nach Meer genauso wie das Glockenläuten des Meißner Doms und die mystische Stille des St. Afra Klosterhofes, wenn die Gäste weg sind.

 

Was würden Sie in Ihrer Heimat gerne ändern?

Ines Siegemund: Meine Heimat möchte ich nicht ändern, aber manche Menschen die da leben. Diese Menschen zerreden und stellen alles Infrage was Gut war, ist und werden könnte.

Steffi Robak:  Meine Mitmenschen sollten bitte wieder mehr miteinander lächeln können statt zu schimpfen.

Gundula Sell: Täuschungen. Selbsttäuschungen. Die Verwechslung von Heimat und Provinzialität. Die niedliche Nische.

Sylvia Eggert:  Ich wünsche mir, dass immer weniger nach MEHR streben. Und immer mehr mit  WENIGER zufrieden sind.

Kerstin Schimmel: Das ewige Gejammer drüber, wie schlecht es uns doch geht, und dass früher alles besser war.

 

Was sollte sich in Ihrer Heimat nie ändern?

Ines Siegemund: Dass es eine friedliche und beschauliche Kleinstadt bleibt die sich ihre Identität bewahrt.

Steffi Robak: Dass es Menschen gibt mit wachem Sinn gerade dort, wo der Tellerrand am höchsten zu sein scheint.

Gundula Sell: Wenn ich nicht mehr da bin, wo ist dann die Heimat, die genau meine Heimat war? Sie war, also ist sie und wird immer sein. Wird sie?

Sylvia Eggert:  Dass man Mensch sein und menschlich handeln kann, ohne dafür Mut aufbringen zu müssen.

Kerstin Schimmel: Das Bewusstsein, mit der Demokratie eine Kostbarkeit zu besitzen.

 

Neugierig? Dann streichen Sie jetzt schon den 18. September in Ihrem Kalender an, denn dann startet das 7. Wilsdruffer Nachtgeflüster  bei dem es in diesem Jahr heißt: Heimat süß-sauer. Start der Lesungen an unterschiedlichen Orten ist um 18 Uhr bei Mode am Markt.

Bis dahin freue ich mich, wenn Sie auch Antworten auf die drei Fragen finden und mir diese per Mail schicken an kerstin.schimmel@ev-akademie-meissen.de .

Dr. Kerstin Schimmel


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